RSS FeedMenschen bewegen sich. Sie bewegen sich dabei in nahezu unbegrenzten Räumen. Bei Kamera-Bildern ist das anders, denn jedes Bild hat einen Rahmen, der die Wahrnehmung der Umgebung einschränkt.
Schon immer haben Filmschaffende versucht den Zuschauer mit verschiedenen Methoden diesen Rahmen vergessen zu lassen. Manchmal mit, manchmal ohne Erfolg. Mit Sicherheit gehört die Methode der bewegten Kamera aber zu den besten und somit häufigst verwendeten um den begrenzten Rahmen des Kamerabildes zu sprengen. Man nennt dies dann eine "Kamera-Fahrt". Im Laufe der vielen Jahre Film-Geschichte haben sich die verschiedensten Geräte entwickelt um die Kamera vom starren Stativ zu entfesseln. Doch nur einige haben sich einen festen Platz in nahezu jeder Film-Produktion erkämpft.
Was tun, wenn die Kamera eine Treppe hoch "laufen" soll? Oder eine Kamerafahrt mehrere dutzend Meter lang wird und um eine Ecke gehen soll? Dann kommt die wohl revolutionärste Erfindung der Film-Branche zum Einsatz: die Steady-Cam. Dabei handelt es sich um ein ausbalanciertes Kamerastativ, dass mittels flexibler Aufhängung die Lauf- und Rüttel-Bewegungen des Kamera-Operators ausgleicht. Die zentrale Rolle obliegt dabei dem sog. Kandern-Gelenk, dass mittels eines Kugellagers die gesamte Aufhängung des Statives von den Erschütterungen des Tragearm trennt. Es gleicht die störenden Bewegungen sowohl in horizontaler als auch vertikaler Richtung gleichzeitig aus. Mittels des tiefen Schwerpunktes behält das Stativ dabei immer eine aufrechte Haltung, die eben durch die Bewegungen des Operators nicht verfälscht oder verwackelt werden.
Oft werden auch Kombination aus Steadycam mit einem Plattform-Kran oder mit einem Quad genutzt um noch ausgefallener Fahrten zu ermöglichen. So kann man z.B. den Operator mit der Steadycam auf dem Kran hoch anfangen lassen, auf Boden-Niveau "fliegen" und dann Operator mit der Kamera absteigen lassen um eine weitere Fahrt ohne Schnitt in ein Haus zu realisieren.
Ein Quad ist ein kleines motorisiertes vierrädriges Gefährt mit Geschwindigkeiten an die 80 km/h und mehr. Sitzt ein Operator mit einer Steadycam auf so einem Quad, kann er recht wackelfreie Bilder mit hoher Geschwindigkeit (z.B. Verfolgung mit Pferden durch einen Wald) filmen.
Natürlich gibt es noch andere Kamerasysteme, wie ferngesteuerte "Tracking-Schienen-Systeme" oder Seilbahnkameras. Diese werden meistens für Live-Sendungen im Show- und Sport-Bereich verwendet. Als Amateur wird man wohl nicht mit solchen Systemen in Berührung kommen. Leider!
Mit dem Dolly hat sich ein Gefährt etabliert, dass sich sowohl für Linien- als auch Kurvenfahrten in der Horizontalen eignet. Es läuft auf Rädern wie ein kleiner Wagen, bietet mindestes eine Plattform für eine Kamera auf Stativ und wird in den meisten Fällen per Hand geschoben oder gezogen. Die kleinste und einfachste Form ist wohl der "Western-Dolly" der wirklich nur aus einer Plattform mit vier Rädern an den Seiten besteht. Es gibt aber auch größere Modelle, die neben einem Sitzplatz für den Kamera-Operator auch eine gedämpfte Mittelsäule für die Kamera bieten. Dabei wird das Stativ quasi ersetzt und es werden auch vertikale Bewegungen bis ca. 2,5 Meter Höhe möglich.
Um auf unebenem Gelände eine Fahrt mit einem Dolly zu bewerkstelligen sind Schinen nötig, die mit viel Aufwand ins perfekte Gleichgewicht gebracht werden müssen. Dies geschieht mit einer Vielzahl an Hplzkeilen und Stützen. Auf festem Untergrund kann man oft mit den am Dolly befestigten Weichgummi-Riefen fahren. Dies benötigt natürlich auch wesentlich weniger Zeit.
Frei wie ein Vogel fühlt sich der Zuschauer, wenn er mit einer lang gezogenen Kranfahrt verwöhnt wird. Der Kran ermöglich vermutlich die längsten und "saubersten" Fahrten überhaupt. Er ist sowohl horizontal als auch vertikal beweglich und kann bei Bedarf auch noch auf einen fahrbaren Dolly gesetzt werden. Damit ergeben sich beinahe unbegrente Möglichkeiten der Gestaltung. Wer hat nicht schon am Anfang eines Filmes die Fahrt aus einer hohen Total-Aufnahme in eine sehr genau Nah-Aufnahme des Hauptdarstellers gesehen. Genau so geht es auch anders herum. Zum Schluß eines Filmes entfernen wir uns mit einem langsamen Abflug aus der Handlung.
Die meisten Kräne werden ebenfalls per Hand bewegt. Dies ist auch nötig, da keine Maschine die Feinheiten eines guten Kran-Schweckers (genannt "Grip") ersetzen kann. Obwohl - oder gerade deshalb - ein Kran ein ziemliches Gewicht mitbringt, kann ein guter Grip sehr gefühlvolle Schwecks damit zaubern.
An einen Kran läßt sich die Kamera auf drei Arten montieren.
Die simpelste Art ist die Kamera einfach starr an den Kopf zu setzen. Somit läßt sich der Bildausschnitt aber nicht an die sich verändernde Neigung des Krans anpassen. Das Bild wird irgendwann die Ausrichtung verlieren.
Eine bessere Variante ist die Kameraplattform, die sowohl Kameramann (mit Assistent) als auch die Kamera aufnehmen kann und dem Kameramann somit die volle Einflussnahme auf sich ergebende Veränderungen während des Takes gibt. Er hat die Kamera "direkt in der Hand". Allerdings sind die meisten Kräne mit dieser Belastung auf bis zu 9 m Länge beschränkt und der Kran wird natürlich träger, weil ja auch das entsprechende Gegengewicht am hinteren Ausleger verstärkt werden muss.
Die häufig in Studios eingesetzte Variante ist der Remote-Head. Dabei handelt sich um eine ferngesteuerte Aufhängung, die in der Regel das Kippen und Schwenken der Kamera um bis zu 360° erlaubt. Allerdings ist dafür ein weitere Operator nötig, der mittels eines kleine Joystick die gesonderten Bewegungen des Kopfes fernsteuert. Moderne System erreichen dabei beachtliche Geschwindigkeiten und Genauigkeiten. Natürlich muss auch der Zoom und der Fokus über die Fernsteuerung bedient werden.