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Kontraste - Weniger als das Auge sieht

Am liebsten wäre es jedem Kameramann wohl, wenn er dem Publikum die Welt zeigen könnte, wie sie sich ihm bietet. Zumindest im Normalfall. Manchmal kann es gerade beabsichtigt sein eine eher surreale Wirkung zu erziehlen. Wie dem auch sei, keine Kamera der Welt kann z.B. einen Sonnenuntergang in seiner ganzen Farbenpracht darstellen.

Das menschliche Auge kann im Normalfall ein Kontrastverhältnis von 900:1 wahrnehmen. Damit ist ausgesagt, dass wir in der Lage sind ein sehr hohes Spektrum an Helligkeiten zu unterscheiden. Aber hier fängt das Problem leider an. Denn eine Kamera kann das nicht! Das beste Filmmaterial der Welt kann maximal einen Kontrastumfang von 120:1 darstellen. Und bei Video-Kameras ist dieser noch wesentlich geringer. Er liegt bei lediglich 40:1 bis maximal 43:1!

Licht reduzieren und trotzdem die Realität abbilden

Um also ein Bild zu liefern, das nicht fehlerhaft wirkt, muss man verschiedene Einschränkungen in Kauf nehmen und sich damit zurecht finden. Der Umfang der Helligkeiten (der Kontrast) muss für Deine Kamera eingeschränkt werden. Dies kann mit unter eine recht knifflige Angelegenheit werden. Denn es wird richtig problematisch, wenn Du einen dunklen Vorgrund mit Deinem Darsteller und gleichzeigt einen hellen Hintergrund - z.B. den Himmel - zeigen möchtest. Schon ein taghelles Fenster kann ein Bild völlig unmöglich machen.

Die Lösung dies Problems ist selbst für Profis mit umfangreichem Equipment immer wieder schwierig. Und für Amateure wird es doppel schwer, denn wer hat schon eine 1,20 x 1,20 m ND-Folie zur Hand, mit der er das Fenster kurzer Hand lichtundurchlässiger machen kann.

Also bleiben nicht viele Lösungen über. Eine erste Möglichkeit ist es den Standort so anzupassen, dass das Fenster oder der Himmel im Hintergrund nicht mehr gesehen wird. Vielleicht reichen schon einige Zentimeter Versatz der Kamera aus um das Problem zu lösen. Dann kann man mit ein paar Scheinwerfern eine gute Ausleuchtung des Darstellers oder der restlichen Spielraums vornehmen und die Blende der Kamera entsprechend anpassen.

Kontrastunterschiede mit der Blende ausgleichen

Eine weitere Möglichkeit ist es die gesamte Lichtintensität der Szene anzuheben und den Raum im Vorgrund mit deutlich mehr Licht zu versehen. Dabei ist jedoch höchste Vorsicht geboten, denn mit zu viel Licht wird die Szene sicher nicht mehr authentisch wirken. Außerdem mußt Du aufpassen, dass Du nicht die "natürlichen" Schattenverhältnisse Deiner Szene zerstörst.

Eine dritte und vielleicht sinnigste Lösung ist es vor ein helles Fenster einen Vorhang zu hängen. Dabei sollte sich der Kameramann mit dem Ausstatter verständingen und mit einem zur Szene passenden Vorhang alle zu hellen Bereiche abdecken. Beachte hierbei jedoch, dass mit dem abdecken dieser Lichtquelle auch die Helligkeit im Raum drastisch abnehmen wird und von Dir künstlich mit Scheinwerfern oder sonstigen Lichtquellen ausgeglichen werden muss.

Abschließend gilt, wähle Dein Bild immer so, dass die Lichtunterschiede zwischen den einzelnen Bildelementen nicht zu groß werden. Gerade Amateur-Videos zeigen dies immer besonders stark, dass die Filmer die Grenzen Ihrer Kameras nicht beachten und die Bilder wirklich häßlich werden. Eine Hauswand, die keinerlei Zeichnung - also Struktur - mehr erkennen läßt, weil sie einfach zu hell überstrahlt zerstört ein Bild. Auch Gesichter der Darsteller, die zu hell oder zu dunkel wirken sind einfach wertlos. Denn der Zuschauer will ein gutes Bild haben. Bildteile, die er nicht erkennen kann stören den Zuschauer. Achte bei Fernseh-Filmen darauf, wie mit den Helligkeitsunterschieden verschiedener Szenen umgegangen wird.