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Fahrtaufnahmen - Wenn das Auto zum Set wird

Wer schon mal versucht hat eine Szene in einem fahrenden Auto zu drehen, wird ohne die nötige Vorbereitung und gewisse Tricks gescheitert sein oder zumindest sein Glück arg heraus gefordert haben.

Eine Fahrtaufnahme weißt eine ganz eigene Dynamik auf und vermittelt einen hohen Realitätsfaktor. Es ist ein qualitativer Unterschied in einem Film ob ein Gespräch auf einem Parkplatz oder in einem fahrenden Auto mit bewegtem Hintergrund stattfindet. Man sollte es zwar nicht übertreiben mit derartigen Szenen, aber wenn sich die Gelegenheit bietet eine Fahrtaufnahme zu realisieren, dann sollte man wissen wie man das am besten macht.

Welche Probleme stellen sich bei Fahrtaufnahmen?

Gehen wir die Punkte nacheinander durch:

Bei einer Aufnahme von Außen in das Fahrzeug muss sich die Kamera natürlich ebenfalls bewegen und dabei auf gleicher Höhe mit dem gewünschten Motiv bleiben. Daher sollte das Auto nie schneller als ca. 30-40 km/h fahren. Darüber wird es wirklich schwierig.
Die luxeriöseste Variante ist einen Tieflader (Lastwagen mit tief liegender Ladefläche, z.B. für Baufahrzeuge) zur Verfügung zu haben. Auf diese Ladefläche stellt man das Auto, die Kamera, evtl. Scheinwerfer und sämtliche nötigen Mitarbeiter. Der Vorteil ist hier, dass auch zusätzlich zur eigentlichen Fahrtbewegung Schwenks und andere Bewegungen mit der Kamera möglich sind. Nachteilig wirkt sich natürlich der Platzbedarf eines solchten Tiefladers auf der Straße aus. In der Stadt ist z.B. keine Aufnahme möglich. Auch muss man sich im Klaren sein, dass dieser Tieflader immer noch höher liegt als dies ein Auto alleine auf der Straße tun würde. Im Bild dürfen also keine verräterischen Objekte außerhalb des Tiefladers auftauchen.
Nachdem wohl nicht jeder mit einem Bauunternehmer oder einer Spedition im Bekanntenkreis gesegnet ist, bietet sich noch die Montage der Kamera direkt am Auto an. Dies ist zwar technisch nicht ganz einfach, stellt jedoch vermutlich die einzige Lösung für No-Budget-Produktionen dar. In folgender Animation wird deutlich, wie sich eine Kamera auf der Motorhaube eines Autos montieren läßt.

Die Kamera wird, durch Kissen geschützt, mit einem Spanngurt aus dem Baumarkt auf der Motorhaube befestigt. Man sollte den Gurt nicht zu fest anziehen um die Kamera nicht zu beschädigen. Dabei richtet man die Kamera auf die gewünschte Perspektive ein. Eventuell kann der Einsatz eines Weitwinkelobjektivs nötig werden.

Die Erschütterungen, die sich von Schlaglöchern auf die Kamera übertragen, können zu einem sehr großen Problem werden. Ist die Kamera auf der Motorhaube des Autos montiert, ist das nicht weiter schlimm. Man sucht sich eine halbwegs ebene Fahrbahn und fährt eben nicht schneller als 30 km/h, dann sollten sich die Vibration in Grenzen halten.
Wenn allerdings der Kameramann mit der Kamera in einem anderen Auto vorweg oder hinterher fährt, dann ergibt sich schnell ein unerwartetes Problem. Fährt der "Kamera-Wagen" nämlich durch ein mehr oder weniger großes Schlagloch, ist eine Erschütterung im Bild zu bemerken und gleich darauf fährt das Szenenauto (auch "Spielauto" genannt) durch das gleiche Loch und "ahmt" die Vibration der Kamera quasi nach. Das hört sich zwar unbedeutend an, wirkt in einer Großaufnahme aber doch sehr störend.

Wie schon in der Animation oben zu sehen, kann man einen dunklen Kartoon über der Scheibe des Spielautos anbringen, der den Lichteinfall von oben verhindert. Damit sind störende Reflektionen der Sonne ausgeschlossen. Allerdings verschwinden auch gewünschte Reflextionen (Lichtspitzen durch Baumkronen, Straßenlaternen) vollständig. Außerdem ist mit der doch sehr leichten Konstruktion des Kartoons die maximale Geschichtigkeit des Fahrzeugs sehr begrenzt.
Deshalb gibt es natürlich eine professionellere und auch gleichfalls teurere Lösung: den Polarisationsfilter (kurz "Polfilter"). Dieser filtert bestimmte Wellenlängen aus dem in der Kamera eintreffenden Licht heraus und nimmt so die störenden Relextionen von Glasscheiben oder auch Wasseroberflächen weg.

Um störende Spiegelungen von Equipment oder Team zu vermeiden kann man eigentlich nur zwei Lösungen angehen: 1. verschiebe das Equipment oder das Team so, dass es nicht mehr spiegelt, oder 2. verschiebe die Kamera entsprechend.

Die Aufnahme von Dialogen oder Geräuschen im Fahrzeuginneren während der Fahrt ist mit der Montage der Kamera auf der Motorhaube kein Problem. Du baust das Mikro im Fahrgastraum optimal zur Aufnahme an und legst ein Kabel durch einen Spalt im Fenster zur Kamera. Befestige das Kabel mit Gaffa-Tape um störende Schlaggeräusche zu verhindern. Das Mikro sollte in jedem Fall natürlich für die Kamera unsichtbar unterhalb des Amaturenbretts angebracht sein.
Wenn Du die Kamera in einem seperaten Fahrzeug platzierst und vorweg fährst, dann ist eine Ton-Aufnahme mit der Kamera nur noch mit Funk möglicht - also im Amateur-Bereich nahezu unmöglich. Du kannst einen seperaten DAT-Recorder - falls vorhanden - im Auto platzieren, oder die Szene nachsynchronisieren lassen. Gerade bei etwas weiteren Entfernungen der Kamera zum Spielauto und den Charakteren ist dies auch ohne Probleme möglich.

Die Kamera fährt im Auto mit

Natürlich kann der Kameramann sich auch zu dem Darstellern ins Auto begeben und das Gespräch quasi "overshoulder" verfolgen. Dabei muss man jedoch bewußt sein, dass die Gesichter der Darsteller nie vollständig zu sehen sein werden und eine gute Portion Spiel verloren geht. Sind jedoch die Dialoge stark genug, fällt dieser Umstand nicht zu sehr ins Gewicht.
Allerdings muss man mit der Blende aufpassen, denn der Außenberich des Fahrzeugs neigt immer dazu zu überstrahlen. Es muss ein Mittelweg zwischen den Lichtverhältnissen im Auto und außerhalb des Autos gefunden werden.

Stative mit Saugnapf

Man kann die Kamera mit einem Saugnapf-Stativ an der Karosserie des Autos befestigen. Damit lassen sich unglaubliche Kamera-Perspektiven dicht über dem Asphalt realisieren. Man sollte bedenken eine zusätzliche Glasscheibe oder ähnliches über dem Objektiv zu befestigen um dieses gegen Steinschlag zu schützen.