RSS FeedSeit einiger Zeit kann fast jeder eine Kamera in die Hand nehmen und das ein oder andere kleine Video-Filmchen anfertigen, zusammen schneiden und veröffentlichen. Doch jeder erkennt den Unterschied zwischen einem Video, das mit Verstand und Begabung angefertigt wurde und einem Filmchen, das an einem Samstag Nachmittag aus einer Laune heraus entstand.
Zunächst ist da immer dieser seltsame Hang, sich für gewisse Dinge zu entschuldigen. Es liegt in der Natur des Amateur-Videos, dass Du eben nicht mit 24m Kränen schwenken kannst und auch keine 2 kW Scheinwerfer zur Verfügung hast um die Nacht in Tag zu verwandeln. Die Grenzen sind schnell erreicht. Aber die wenigsten Amateur-Filmer sind bereit diese Grenzen als gegeben zu betrachten und sich innerhalb dieser kreativ zu bewegen. Wenn Sie dann aber merken, dass die Kamerafahrt doch zu verwackelt ist, heißt es im 30-minütigen Making-Of: "Wir hatten halt keine SteadyCam!!"
Dafür gibt es einen einfach Lösung: Keine Kamerafahrt! Ein einfacher Schwenk von Stativ ist in den meisten Fällen vielfach besser als eine verwackelte Kamerafahrt hinter dem laufenden Darsteller her.
Zeige nichts, weil Du es schon immer mal ausprobieren wolltest. Wie oft habe ich schon eine Szene in einem Film gesehen, die ich einfach klasse fand und dachte mir, dass müssen wir auch mal machen. Aber dieser Ansatz ist falsch! Ein Bild, eine Kamerafahrt, ein Effekt, oder ein Satz von einem Darsteller gesprochen darf niemals einfach nur dem Selbstzweck dienen. Überlege ob es Sinn macht, dass Du das Bild so planst und aufbaust, wie Du es Dir vorstellst. Überlege, was dieses Bild für eine Reaktion bei Deinem Publikum auslösen könnte.
Eine Kamerafahrt sollte im Normalfall motiviert sein. D.h. eine Dialogszene zwischen zwei Personen braucht keine Fahrt, solange die beiden sich einfach nur unterhalten. Vielleicht gegen Ende des Gesprächs, wenn wir uns langsam von der - vielleicht romantischen - Situtation entfernen, ist eine rückwärtige Fahrt möglich und sinnvoll.
Eine Geschicht - egal wie und von wem erzählt - wird erst dann besonders, wenn die Situation den Zuschauer erreicht. Entwickle ein Gefühl für Situationen und wie Du diese am besten erzählen solltest. Dies sollte auch Dein Zeil als Amateur sein - wenn auch sehr ambitioniert. Dieses Gefühl entwickelt man nicht am Set, das tut man, wenn man Abends vor dem Einschlafen noch ein paar Minuten nachdenkt und sich Szenen im Kopf vorstellt. Dafür brauchst Du Zeit. Analysiere Filme, die Dir gefallen und frage Dich, ob bestimmte Situation in diesem Film auch in der realen Welt passieren könnten. Beobachte Menschen in Deiner Realität, wie sie sich begegnen und was in diesen Momenten passiert.
Wenn Du das Gefühl hast, dass Du Dich für Dein Werk entschuldigen musst, weil es nicht so tolle Kamerafahrten oder Special-Effects hat, wie eine Hollywood-Produktion, dann hast Du Deinen Platz falsch verstanden. Du bist ein Amateur und nur mit viel Glück wirst Du irgendwann vielleicht mehr sein. Aber im Moment spielst Du auf dem Bolzplatz und nicht im Stadion - im übertragenen Sinne. Aber auch hier kann man Fussball spielen - und zwar gut!