RSS FeedDer Aufnahmeleiter (AL) ist für die logistische Planung und Durchführung des eigentlichen Drehs zuständig. Er kümmert sich darum, dass das Motiv zur Verfügung steht, dass sämtliches Equipment zur rechten Zeit am rechten Platz ist und auch darum, dass alle Beteiligten wissen wann sie wo zu sein haben.
Manchmal ist das ein Kampf gegen Windmühlen. Denn gerade bei Amateuren ist z.B. Equipment immer eine knappe Sache. Es muss improvisiert und geliehen werden. Meist sind die Verleiher jedoch nicht mit der Lieferung beauftragt. D.h. jemand muss hinfahren und es abholen, aber nicht einen Tag vorher, sondern so, dass keine unnötigen Kosten entstehen.
Der AL ist meistens der lauteste am Set. Zumindest wenn er seinen Job gut machen soll. Da immer wieder Pausen beim Dreh entstehen (Lichtumbau, Maske oder kurze Besprechungen), sind nicht immer alle Team-Mitglieder am Set benötigt. Diese Pausen werden gerne mal für einen Kaffee oder eine Zigarette genutzt. Sobald die Verzögerungen jedoch vorbei sind, heißt es sofort wieder angreifen und der AL trommelt alle benötigten Person wieder zusammen. Dabei ist er immer auf die Bereitschaft und Fairness der anderen angewiesen, die sich nicht zu viel Zeit damit lassen sollten wieder an die Arbeit zu gehen. Wer Abends um 20 Uhr schon mal eine Dreh abbrechen musste weil das Sonnenlicht einfach weg war, der weiß was Ärger bedeutet. Und wenn man dann noch genau weiß, man hätte mehr geschafft, wenn der ein oder andere nicht so getrödelt hätte, kann schnell schlechte Stimmung aufkommen. Der Aufnahmeleiter treibt niemanden grundlos an, denn er weiß, ob die berechnete Zeit für die noch zu drehenden Einstellungen ausreichen wird oder nicht. Lieber man ist zu früh fertig, als dass man die Hälfte nicht schafft.
Der AL hat immer die Zeit und die Logistik im Kopf. Wenn es gut geht, kann er Puffer-Phasen einplanen, die für unvorhergesehene Probleme genutzt werden können. Aber darauf sollte man sich nicht ausschließlich verlassen. Denn es passiert immer etwas Unvorhergesehenes. Technische Ausfälle, Diskussionen am Set, Wetter... die Liste der Katastrophen an einem Drehtag kann durchaus lang sein.
Sind erst mal alle Beteiligten am Set angelangt, kann es losgehen. Während Kamera, Darsteller und Regie die Positionen einnehmen, schreibt der AL in seine „Shotliste“ den nächsten Take. Sollte Bild und Ton nicht gemeinsam auf ein Band aufgenommen werden, dann schreibt er sowohl den Timecode der Kamera als auch des Ton-Recoders auf.
Hier besteht ein Unterschied zu professionellen Produktionen. Normalerweise gibt es eine eigenen Person für das Mitschreiben der Takes und des zugehörigen Timecodes auf dem Aufnahme-Band. Da es Amateur-Produktionen jedoch oft an Mitarbeitern mangelt, hat sich bei uns der AL gefunden, der diese Liste führt. Außerdem empfiehlt sich, aus den gleichen Gründen wie gerade genannt, sogar noch die Kombination aus dem Aufnahmeleiter und dem Regie-Assistenten.
Alle technischen Absprachen und logistischen Probleme sind zuerst mit dem AL abzusprechen. Darüber sollte jeder im Team aufgeklärt sein und sich daran halten. Nicht der Regisseur ist Ansprechpartner für alles, sondern nur für darstellerische und künstlerische Fragen. Die ganze Organisation und Zeitplanung liegt in der Hand des AL. Auch aus diesem Grund bietet sich eine Kombination aus AL und Regie-Assi an, damit kann der AL dem Regisseur am besten den Rücken frei halten.
Sobald alle Absprachen getroffen sind, beginnt der Take. Der Aufnahmeleiter fragt nochmals ob alle bereit sind, bittet um Ruhe. Er weißt den Kameramann an aufzuzeichnen, dieser bestätigt mit „Läuft“. Evtl. bekommt der Tonmann die gleiche Anweisung, wenn Bild und Ton nicht zusammen aufgezeichnet werden. Wenn das schlagen eine Klappe zur Synchronisation von Bild und Ton im späteren Schnitt gebraucht wird, so ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Diese Aufgaben liegt in unserem Fall ebenfalls beim AL. Er sagt die Szenen-, Einstellungs- und Take-Nummer an und hält dabei die eben so beschriftete Klappe vor die Kamera. Danach schlägt er die Klappe und geht aus der Szene.
Das letzte Kommando obliegt jedoch dem Regisseur, der das Spiel der Darsteller mit einem lauten „Und bitte!“ einleitet.
Nachdem der Regisseur mit „Danke!“ den Take beendet hat, teilt er dem AL mit, ob er mit dem Ergebnis zufrieden ist, oder nicht. Damit wird der Take entweder als sog. „Kopierer“ in der „Shotliste“ gekennzeichnet, oder nicht. Wir die Einstellung wiederholt, teilt der AL dies laut dem Set-Team mit, während der Regisseur mit dem Darsteller oder dem Kameramann seine Verbesserungswünsche abspricht. Hat ein Mitglied des Teams Einwände und möchte die Einstellung noch einmal drehen, so teilt er dies AL und Regisseur gemeinsam mit, die dann entscheiden ob dies sinnvoll und zeitlich möglich ist.
Der AL ist somit ein der zentralen Anlaufstellen am Set. In der Vor- und Nachproduktion hat er meist keine Aufgaben. Daher bietet es sich oft an, dass der AL zusätzlich als Produktionsleiter (PL) auftritt und in diesen Phasen seine Aufgaben wahr nimmt. Dies muss sich jedoch ergeben, da der Produktionsleiter keine unwesentlichen Aufgaben hat und viel Verantwortung zu tragen hat.