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Bildgrößen - Dicht ran oder weit weg?

Auf den Bildausschnitt kommt es an. Schon die Entscheidung wieviel Du von einer bestimmten Szenierie zeigen möchtest beeinflußt die Dramaturgie und den Stil Deiner Erzählung.

Schon in der klassischen Malerei nutzten die Künstler bestimmte Bildausschnitte für Ihre Darstellungen. Heroische Momente wie Schlachten werden meist in extremen Totalen gezeigt. Dabei erscheint der einzelne Soldat nur als kleiner unbedeutender Beteiligter des Geschehens. Der Schwerpunkt des Bildes liegt also nicht auf dem Individum sondern auf dem gesamten Ereignis. Ganz anders z.B. bei Portaits. Hier steht natürlich die Person absolut im Vordergrund, ablenkende Bildelemente sind kaum zu finden.
Klar wird also, dass schon mit der Wahl des Bildausschnittes und der Größe des dargestellten Objekts oder Person eine deutliche Vorgabe für die Wirkung des Bildes getroffen ist.

Der Film ist bekanntlich eine Aneinanderreihung mehrerer verschiedener Bilder um nicht nur eine einzige Situation oder Information zu transportieren, sondern einen Handlungsstrang zu erzählen. Dabei ändert sich eben auch während der Handlung der Schwerpunkt der Geschichte oder das Hauptaugenmerk des Betrachters wird zu verschienden Zeitpunkten auf unterschiedliche Personen oder Ereignisse gelegt. Doch die richtige Reihenfolge verschiedener Bildgrößen ist eine Aufgaben, die mit Gefühl betrachtet werden will.

Folgende Bildgrößen kann man die gängisten und sinnvollsten für den "normalen" Gebrauch nennen. Sicher gibt es keine absoluten Aussagen und Vorgaben, die für jede Situation passen, aber es ist nicht falsch ein gemeinsames Vokabular zwischen Kameramann und Regie zu haben um schneller zu den gewünschten Ergebnisse zu kommen.

Totale Halbnahe
Totale Halbnahe
Nahe Großaufnahme
Nahe Großaufnahme

Einige Sonderformen, die jedoch zum Teil auch oft verwendet werden bilden folgende Bildgrößen.

Extrem Totale Amerikanische
Extreme Totale Amerikanische
Halbtotale Extrem Große
Halbtotale Extrem Große

Jede dieser Bildgrößen hat ihren Sinn und Ihren Verwendungszweck. Du kannst keine Geschichte - egal wie lang - erzählen und dabei nur Portraits von Darstellern zeigen. Hin und wieder will der Zuschauer sehen, was um die Darsteller herum passiert, wo sie sich befinden... Außerdem versuchst Du ja auch Stimmungen und Gefühle in Deinem Publikum zu wecken, dazu brauchst Du eben z.B. die heldenhafte Pose Deines Protagonisten in der "Amerikanischen".

Folgende Bedeutung kann man mit den verschiedenen Bildgrößen verbinden.

Die Totale: Dient um eine Örtlichkeit einzuführen und gleichzeitig schon einen Ausblick auf die entstehende Handlung oder eine wichtig werdenen Details zu liefern. Oft beginnt eine neue Szene mit einer Totalen.

Die Halbtotale: Werden z.B. zwei oder drei Charaktere gleichzeitig in einem Gespräch gezeigt so spricht man von einer "Zweier" oder "Dreier". Solche Gespräche werden oft in einer Halbtotalen Einstellung gezeigt. Das Spiel, die Körpersprache der Darsteller wird im Details sichtbar.

Die Nahe: Ist eigentlich das klassische Portrait. Ein einzelner Charakter oder ein einzelnes Objekt wird recht nah und somit detailreich gezeigt. Die Mimik eines Darstellers wird sichtbar.

Die Großaufname: Damit rückt man dem Darsteller "auf den Pelz". Damatische Momente oder wichtige Handlungen werden stark in den Mittelpunkt gerückt. Der Zuschauer erlebt die Stimmung eines Darsteller so zu sagen hautnah mit.

Die Extreme Totale: Der große Abstand zu einer Handlung vermittelt nicht direkte Beteiligung an einer Szenerie.

Die Amerikanische: Wurde in amerikanischen Western-Filmen benutzt um den Helden mit dem Colt im Holster in einer Duell-Szene zu zeigen - daher der Name. Das Bild zeigt den oberen Teil des Körpers und endet knapp über dem Knie.

Die Halbtotale: Darsteller oder Handlungs-Objekte sind vollständig im Bild. Diese Größe bietet sich an, wenn eine bewegte Handlung z.B. mit einem Schwenk begleitet wird. Durch den freien Raum, der um die Darsteller gelassen wird, kann der Kameramann leichter auch schnellen Bewegungen folgen ohne diese zu verlieren.

Die Extreme Große: Als größte Einstellung dient sie um extreme Nähe zur Gefühlswelt eines Darstellers aufzubauen. Horrorfilme wie z.B. "Blair Witch Project" arbeiten in Angst-Situation gerne mit dieser Nähe an den Augen der Darsteller.